Evangelische Kirche von Westfalen

Evangelisch in Westfalen: Glauben aus gutem Grund.

Mit Kindern neu anfangen: Westfalen und die Schweiz im internationalen Austausch

„Wie erreichen wir Kinder und die Familien mit kirchlichen Angeboten?” – eine wie sich herausstellte internationale Frage. Drei Tagen standen zur Verfügung: vom 13. bis zum 15. August war eine sechsköpfige Delegation aus der Züricher und der Aargauer Kirche zu Gast in Westfalen und wurde von Prof. Dr. Hans-Martin Lübking und Ralf Fischer vom Pädagogischen Institut begleitet. Neben dem Austausch über das westfälische Projekt „Mit Kindern neu anfangen” und das schweizer Projekt „Taufverantwortung, religiöse Erziehung und familienfreundliche Gemeinde” standen Besuche in Kirchengemeinden auf dem Programm, die Wege zu den Familien gehen und über ihre Erfahrungen berichten konnten.
Bei der ersten Gesprächsrunde kam es zusammen mit dem Landesjugendpfarrer Udo Bußmann und dem Dozenten für den Elementarbereich am Pädagogischen Institut Ulrich Walter zu einem regen Austausch über die Situation in der Schweiz und in Westfalen. Es wurde schnell deutlich, dass der Blick auf die Vielfalt der Familienstrukturen für die kirchliche Arbeit unverzichtbar ist. Neben der traditionellen Mutter-Vater-Kind/er-Familie gibt es immer mehr Alleinerziehende mit Kindern, Patchworkfamilien oder Lebenspartnerschaften mit Kindern. Eine Kirche für die ganze Gesellschaft muss sensibel auf die unterschiedlichen Zielgruppen zugehen und Angebote für alle Gesellschaftsgruppen machen. Das gilt auch für Angebote zur Taufe und für die anschließende Begleitung der Getauften. In der Schweiz entwickeln die Landeskirchen für die Gemeinden verbindliche Programme, um die Verbindung von Taufe und Gemeindeaufbau ins Bewusstsein zu bringen. Ein besonderer Höhepunkt ist dabei das Eltern-Kind-Singen, zu dem Kinder im Alter von 1-3 Jahren zusammen mit ihren Eltern eingeladen werden. So lernen sie weltliche und kirchliche Lieder spielerisch kennen. Sie entdecken die Lebensfreude, die Singen weckt, und finden einen ersten Anknüpfungspunkt an ihre Kirchengemeinden. In Westfalen sind bereits 150 Kirchengemeinden im Projekt „Mit Kindern neu anfangen” aktiv. Sie werden mit Materialen für die Öffentlichkeitsarbeit und die Begleitung der Familien und Kinder und mit vielen Ideen und Anregungen ausgestattet, die sie je nach Situation vor Ort umsetzen. Neben Taufkerzen, Kinderbibeln, Tauferinnerungsbriefen und der Fingerpuppe Widu-Wiedehopf gibt es einen Waschhandschuh mit der Aufschrift „Gottesgeschenk”, Hefte zur Taufe und zu den Reformatoren und Arbeitshilfen für lebendige Taufgottesdienste.
Am Samstag Vormittag ging es nach Hagen. Pfarrerin Elke Schwerdtfeger und ihr Team berichteten vom allsonntäglich stattfindenden Kindergottesdienst, dem Beitrag der Kindertageseinrichtungen für die Gemeindearbeit und der Möglichkeit, durch den Schwerpunkt als Kirchengemeinde deutlich zu machen, wofür sie steht. Offene Jugendarbeit im Gemeindehaus und die Vernetzung von Konfirmandenunterricht und Jugendarbeit geben der Gemeinde eine besondere Prägung. Beim Mittagessen mit dem Superintendenten des Kirchenkreises Hagen Bernd Becker kamen neben dem Engagement des Kirchenkreises für die Arbeit mit Familien auch die Möglichkeiten eines Jahresmottos für den ganzen Kirchenkreis in den Blick.
Am Nachmittag standen Projekte in den Kirchengemeinden Bochum-Dahlhausen und Bochum-Weitmar auf dem Programm. Pfarrerin Ursula Borchert und die Presbyterin Frau Ebach berichteten vom Einsatz der Tauferinnerungsbriefe und den Besuchen zum 5. Geburtstag der Getauften, bei denen eine Kinderbibel persönlich überbracht wird. Neben Kirchenführungen besonders für Kinder werden verschiedene Formen der Tauferinnerung für Große und Kleine immer wichtiger. Krabbelgottesdienste mit einem Liedblatt für die Eltern, auf dem Gedanken zum Gottesdienstthema für Erwachsene festgehalten werden, tragen christliche Themen in die Familien.
Am Sonntag schließlich wurde es gottesdienstlich praktisch: Pfarrerin Elisabeth Pakull begrüßt in der Pauluskirche in Neheim die Familien von zwei Täuflingen und Gäste von auswärts: Landeskirchenrätin Dr. Johanna Will-Armstrong aus Bielefeld, Prof. Dr. Hans.-Martin-Lübking und Pfarrer Ralf Fischer aus Villigst, und die Delegation aus Zürich und Aargau. Viel passiert während der Taufen: Ein Vater schüttet Wasser ins Taufbecken, die Patinnen lesen die Taufsprüche vor und entzünden – auf Zehenspitzen stehend – die Taufkerzen der Kinder an der großen Osterkerze. Beeindruckend ist der Segen, den die Pfarrerin zusammen mit den Familiengliedern den Täuflingen spendet: alle halten ihre Hände über die Kinderköpfchen. Die Gemeinde sieht und hört,  dass viele Menschen die Kinder mit Gottes Segen behüten wollen.
Beim Gespräch nach dem Gottesdienst berichten die Presbyterinnen und Presbyter, welche Elemente aus dem Projekt sie übernommen haben: Ein Jahr nach der Taufe erhalten die Eltern einen Brief, zwei Jahre später werden die Familien zu einem kinderfreundlichen Tauferinnerungsgottesdienst eingeladen, und fünf Jahre nach der Taufe bekommen die Kindern einen Brief mit einem Bastelbogen. Vikar Tim Winkel berichtet von Elternabenden im Kindergarten: Themen, bei denen die Kinder im Mittelpunkt stehen, seien für viele Eltern attraktiv. „Wenn es darum geht, wie man mit Kindern übers Sterben redet, wie Kinder auf Beerdigungen vorzubereiten sind, dann sind Eltern bereit, abends zu einer kirchlichen Veranstaltung zu gehen.” Pfarrerin Kathrin Koppe-Bäumer, Pfarrerin Gabriela Hirsch vom Kirchenkreis Arnsberg und Pfarrer Martin Vogt aus Sundern berichten vom Zentralen Tauffest am 4. Juli in Eversberg: 25 Kinder aus 10 Kirchengemeinden wurden unter freiem Himmel getauft. Anschließend feierten die Familien mit ihren Gästen an einer langen Taufkaffeetafel zusammen weiter. Schweizer und Westfalen waren sich einig, dass es für die Zukunft der Kirchen wichtig sei, Familien auch mit außergewöhnlichen Maßnahmen zur Taufe ihrer Kinder zu ermutigen. Beim anschließenden Mittagessen wurde noch einmal deutlich, dass der Austausch über die Projekte allen Beteiligten wertvolle Impulse gegeben hat. Der Kontakt zwischen Westfalen und der Schweiz soll nicht abreißen.

Kontakt

Pfarrer Ralf Fischer

Weitere Infos zum Projekt sowie zur Bestellung des Starterpakets erhalten Sie über das Projektbüro im Pädagogischen Institut der Evangelischen Kirche von Westfalen bei:

Pfarrer Ralf Fischer
Telefon: 02304 755-263
E-Mail:   r.fischer@pi-villigst.de